Unsere Gemeinschaft »Christusträger« hat klein begonnen und viele Schwestern sind dazu gekommen. Ich darf schon 62 Jahre dazugehören. Jesus hat mich geführt und ich bin froh, dass ich ihm mein Leben anvertraut habe, als ich jung war.
Sr. Hildegard B.
| Jahrgang | 1938 |
| Eintritt | 1962 |
| Standort | Künzelsau |
Ich bin mit gläubigen Eltern und acht Geschwistern in Ostpreußen, nahe bei Königsberg, aufgewachsen. 1945 mussten wir vor den Russen fliehen und kamen nach Norddeutschland ins »Alte Land«. Ein Kleinbauer wollte die Mutter mit den meisten Kindern aufnehmen. Seine Frau erwartete uns schon mit einem warmen Essen. Welch eine Liebe!
Nach einigen Jahren zogen wir um in ein Dorf in die Nähe von Worms. Meine Eltern sprachen oft vom Heiland und beteten zu ihm. Einmal sah ich, wie meine Mutter im Hof zusammenbrach und ins Haus getragen wurde. Da betete ich zum Heiland Jesus für sie um Heilung. Er erhörte mein Gebet und machte sie gesund.
Meine Konfirmation ist mir noch in guter Erinnerung. Als der Pastor mir die Hände auflegte und für mich betete, empfand ich einen spürbaren Strom der Freude Gottes. Ich erhielt eine Bibel - welche ich noch heute habe – mit dem Wort aus Philipper 4,13 »Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.« Das habe ich buchstäblich in den vielen folgenden Jahren erlebt. Das Bibellesen wurde mir sehr wichtig, besonders einzelne Worte von Jesus. »Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.« Markus 16:15 Dies empfand ich als Auftrag Gottes in die Mission zu gehen. Doch wie?
Durch einen Film über Indien kam ich in Kontakt mit Br. Erwin Klinge, dem Mit-Gründer unserer Bruder- und Schwesternschaft. Zum Kennenlernen war ich einige Monate jedes Wochenende bei seiner Familie in Bensheim-Auerbach zu Gast. Dann zog ich ganz dorthin. Eine junge Frau mit Namen Waltraut war schon da. Sie wurde unsere erste Schwester, ich die zweite. Wir halfen im Haushalt. Br. Klinge nahm uns mit in Gemeinden, wo er zum Predigen eingeladen war. Das war ein neues, schönes Leben für mich. Ich lernte in der Gemeinschaft laut zu beten, mich mitzuteilen und bereit zu sein für jede Arbeit.
Am 3.5.1963 wurden Sr. Waltraut und ich von Br. Klinge nach Pakistan ausgesandt mit einem Wort: »Jesus« Dort war es ein anderes Leben: einfach, laut, bunt und fremd. Wir sahen viel Armut und halfen zuerst Bengalen in einem Slum in Karachi. Später kümmerten wir uns um Leprakranke in einem Asyl außerhalb der Stadt.
Es kamen weitere Schwestern – eine war von Beruf Ärztin, andere Krankenschwestern. Sr. Waltraut und ich waren früher im Büro tätig und konnten medizinisch viel von unserer Ärztin Sr. Wanda lernen. Gerade in den Herausforderungen haben Sr. Waltraut und ich Gottes Hilfe erfahren. Einmal wurden wir zu einem Pockenkranken gerufen, als wir beide allein auf Station waren. Im Nachbardorf waren an dieser Krankheit schon einige gestorben. Viele Verwandte drängten sich um das Bett des Kranken. Ich weiß nicht mehr, was wir sagten oder taten, nur, dass wir für diesen Mann im stillen beteten und Jesus ihn heilte. Auch steckte sich niemand an.
Nach acht Jahren brach Krieg zwischen Pakistan und Indien aus und wir verließen für kurze Zeit das Land und kamen nach Deutschland. Ich kehrte nicht mehr zurück. Sechs Jahre half ich in unserem Alten-Pflegeheim in Alsbach. Die meiste Zeit war ich in Argentinien in unserem Kinderheim »Hogar del Sol«. Dies war eine schöne Aufgabe in Gemeinschaft mit drei Schwestern. Nach 23 Jahren kam ich im November 2002 nach Deutschland zurück in den Ruhestand.
Wie an allen Orten bin ich auch in Künzelsau gerne. Ich bin glücklich in der Schwesterngemeinschaft. Jesus ist unser Mittelpunkt. Zum Eintritt in die Gemeinschaft bekam ich damals von Br. Klinge den Bibelvers: »Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit; so wird euch solches alles zufallen.« Matthäus 6:33. Dieses Wort begleitet mich bis heute.