Die Anfänge der Schwesternschaft mit Br. Klinge

Bruder Erwin Klinge, 1922 – 2013 war Mitgründer, Visionär und Pionier der Christusträger. Wir berichten aus den Anfängen der Schwesternschaft.

Br. Klinge begeisterte viele für den Glauben

Br. Klinge begeisterte viele für den Glauben

Herausforderung Indien

Br. Klinge hat schon in den 50er und 60er Jahren viele junge Menschen herausgefordert, sich auf ein Leben im Glauben an Jesus Christus einzulassen. Er konnte begeistern und etwas bewegen. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs hatte er sich den »Brüdern vom gemeinsamen Leben« angeschlossen, einer Gemeinschaft, die ihre Wurzeln im Mittelalter hat und der die Einheit der Christen am Herzen liegt. 1957 gründete er zusammen mit Emil Richter den Christlichen Missionsdienst, der bis heute vor allem in Indien Kinder und Jugendliche betreut. Bei seinen Besuchen in Indien hat Br. Klinge das große Elend auf den Straßen Kalkuttas gesehen. Er spürte die Verantwortung von Gott, junge Menschen in Deutschland herauszufordern.

Deshalb schrieb er ein Buch mit dem Titel »Indien, Entscheidung für die Welt« und ließ sogar einen Film drehen. Seine Botschaft lautete:

Gott ist Liebe und sieht dem unbeschreiblichen Jammer der hungernden Völker nicht tatenlos zu. Von den Menschen, die Seine Liebe empfangen haben, erwartet ER, dass sie diese Liebe in aller Welt weitergeben!

Jugendgruppe, aus der die Christusträger entstanden sind

Jugendgruppe, aus der die Christusträger entstanden sind

Gründung der Christusträger

Von diesem Aufruf ließ sich eine Jugendgruppe unter der Leitung von Otto Friedrich in Darmstadt motivieren, und 1961 kam es zur Gründung der Christusträger. Die ersten Schwestern lebten in der Familie von Br. Klinge mit. Eine von ihnen war Sr. Hildegard. Sie erinnert sich: 

Die Opferbereitschaft und Liebe von Br. Klinge haben mich sehr beeindruckt. Er sagte immer wieder, dass es nicht wichtig sei, wo man herkommt, sondern wo man hingeht.
Wir ermutigten uns gegenseitig mit den Worten ‚Jesus ist Sieger!‘
Am Vorabend unserer Ausreise nach Pakistan waren wir alle im Wohnzimmer versammelt. Br. Klinge sagte zu Sr. Waltraut und mir, er wolle uns ein Wort mitgeben und zwar „Jesus“. Ohne mir irgendwelche Vorstellungen zu machen und ohne etwas zu befürchten, ging ich in das Abenteuer hinein im Vertrauen auf Jesus. Das war am 3. Mai 1963.

Sr. Hildegard in Pakistan

Sr. Hildegard in Pakistan

Ein Mann des Glaubens

Br. Klinge setzte großes Vertrauen in die ersten Schwestern und Brüder. So entstanden nicht nur verschiedene Stationen in Pakistan, sondern innerhalb von 10 Jahren sandte er auch Schwestern nach Südamerika und Indonesien, dazu Brüder nach Kabul und Vietnam. Natürlich gab es auch Schwierigkeiten, und manches würde man heute anders machen. Doch wie Sr. Dr. Elisabeth ging es manchen von uns:

Br. Klinge konnte uns in seiner ansteckenden Begeisterung für Jesus richtig mitreißen. Er war ungemein mutig und voll Vertrauen auf die Zusagen seines Herrn, in dessen kompromisslose Nachfolge er uns mitgenommen hat. Ich persönlich habe Br. Klinge erstmals im Jahr 1971 in Kudus/Indonesien erlebt, als ich dort kurze Zeit zur Vertretung von Sr. Dr. Wanda gewesen bin. Er hat mich dermaßen beeindruckt und überzeugt, dass ich während seines Besuches ganz fest wusste, dass ich zu den Christusträgern gehören wollte. Ohne ihn hätte ich mich sicher nicht so schnell entschlossen, Schwester zu werden. Und seither habe ich es auch noch keinen Augenblick bereut.

Einige Jahre hat Br. Klinge mit der ganzen Familie in Pakistan gelebt, um den Aufbau der Stationen tatkräftig zu unterstützen. Seine Frau hat Br. Klinge auf den meisten Auslandsreisen begleitet und dabei viele Unannehmlichkeiten auf sich nehmen müssen. 1968 zog Br. Klinge mit seiner Familie nach England und engagierte sich dort auf vielerlei Weise, so dass er 1995 mit einem britischen Verdienstorden ausgezeichnet wurde.

— 16. November 2021