Aktuelles

Pakistans Kampf mit der Corona-Pandemie

Sr. Dr. Chris schreibt:

Covid-19 stellt die Welt nicht nur vor enorme medizinische Herausforderungen, sondern hat auch massive negative wirtschaftliche und soziale Folgen. Länder wie Pakistan sind davon noch einmal mehr betroffen als Europa.

Wie Sie sich sicher vorstellen können, ist bei uns nicht alles so „geregelt“ wie in Deutschland, sondern man muss jeden Tag für viele kleine und große Probleme selbst eine Lösung finden. So haben wir gleich zu Beginn der Krise unsere eigenen Infektionskontroll-Regeln entwickelt, alle Mitarbeitenden geschult und führen sie bis jetzt konsequent durch. Das kommt Patienten und Mitarbeitenden zugute.

Der wochenlange komplette Stillstand der öffentlichen Verkehrsmittel zwang uns, individuelle flexible Lösungen für die Tuberkulose- und Leprapatienten zu finden, damit sie ihre Medikamente  ohne Unterbrechung bekommen. Leider wissen wir von vielen anderen Gesundheitseinrichtungen, dass sie Behandlungsabbrüche nicht verhindern, das wird in den kommenden Monaten  zu vermehrten Rückfällen und Antibiotikaresistenzen führen. Einen großen Einbruch gibt es auch im staatlichen Impfprogramm und in der Schwangerenvorsorge.

Da das staatliche Gesundheitssystem schon in normalen Zeiten überfordert ist, hat die COVID-19 Krise schwere Probleme geschaffen. Zeitweise schlossen die großen Krankenhäuser ihre Ambulanzen komplett und es gab keine Behandlung mehr für „normale“ Krankheiten. Immer wieder kommen Patienten verzweifelt zu uns, nachdem sie in mehreren Krankenhäusern abgewiesen wurden. Wir freuen uns, wenn wir ihnen helfen können, aber es gibt auch verhängnisvolle Situationen.

In den dörflichen Gesundheitsposten werden Patienten oft nicht behandelt, weil das medizinische Personal keine oder zu wenig Schutzartikel, wie Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel, von ihren Ämtern bekommen. Wir verteilen deshalb Schutzartikel in den Gesundheitsposten, in denen unsere Mitarbeiter Augenuntersuchungen durchführen. Die Leute sind sehr dankbar dafür.

Je länger die Krise dauert, desto mehr wirkt sie sich auf die psychische Gesundheit aus. Mehr Patienten als sonst zeigen auffälliges Verhalten, man sieht häufiger Zeichen von häuslicher Gewalt und Vernachlässigung. Besonders auffällig ist, dass viele Patienten aggressiv sind und „dem medizinischen System“ nicht mehr trauen. Das stellt die Pflegekräfte vor besondere Herausforderungen und es braucht Geduld und innere Stärke.

Wie in Europa fragen auch wir uns, wie es weitergehen wird. Die wirtschaftlichen Folgen für die Menschen sind sehr hart und es wird damit gerechnet, dass die typischen Krankheiten der Armut wie Tuberkulose, Lepra oder Leishmaniase im Land weiter zunehmen werden. Wir beobachten diese Probleme aufmerksam und bereiten uns darauf vor, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln noch mehr Menschen die nötige Hilfe zu geben.

Herzliche Grüße aus Rawalpindi/Pakistan

Dr. Chris Schmotzer

 

Sr. Dr. Chris
Gynäkologin, Leitung des medizinischen Bereichs

Für die Patienten mit multiresistenter Tuberkulose ist das Corona-Virus eine besondere Gefahr. Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe hat am Welt-Tuberkulose-Tag am 23. März darauf hingewiesen und u.a. einen Artikel unserer Sr. Chris veröffentlicht:

https://www.dahw.de/unsere-arbeit/presseportal/pressemeldungen/meldung/awaiz-hat-das-leben-wieder-vor-sich-4938.html

Im Gebet sind und bleiben wir verbunden – rund um den Globus.

Sr. Sonja, Sr. Annette, Sr. Chris

Team aus Rawalpindi
Team aus Rawalpindi

 

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